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Spirit Cooking – Marina Abramović – vom Performance Künstler zum Satanist

In letzter Zeit bin ich auf mehrere Artikel von dubiosen Quellen gestoßen, welche die serbische Künstlerin Marina Abramović und ihr „spirit cooking“ als Satanismus denunzieren.

Verbindung

Abramović soll in okkulte Machenschaften verwickelt sein. Ihre Freundschaft zu hochrangigen Politikern und Persönlichkeiten wie John Podesta und seinem Bruder Tony Podesta, sowie dem bemerkenswert seltsam einflussreichen Pizzeria Inhaber James Alefantis und seiner Pizzeria Comet Ping-Pong, bekannt aus der Pizzagate Affäre, sollen ein Nachweis über die Verbindung von Abramović zum Satanskult sein.

Verschwörung und Kritik

Diese Verschwörungstheorie halte ich für völlig überzogen. Wer sich auch nur ein bisschen mit dem Thema Kunst und Abramović auseinander gesetzt hat, kommt nicht drum herum ihre Arbeiten als Gesellschaftskritik zu erkennen. Falls sie wirklich das Thema Kannibalismus visualisieren wollte, so wie es in der Verschwörung heißt, dann ist es um zu kritisieren. Wie zieht man am besten die Aufmerksamkeit auf ein Thema? Durch schockierende Bilder und das Aufsprengen von Grenzen in der Kunst. Das ist wahre Kunst!

Zitat

Ich möchte hierzu meine ehemalige Professorin aus dem Design Studium Frau Dr. Barbara Maas zitieren. Sie hat mir die Kunst von Abramović als herausragende Perfomancekunst vorgestellt.

Ein Zitat von Frau Dr. Maas lautet:

„Wenn Kunst nicht kritisch ist, sondern nur affirmativ, taugt sie nichts. Schöne spektakuläre Bilder ohne Aussage sind nichts weiter als Design/ Funktionales ebenfalls. Ist auch okay, sollte sich aber nichts auf sich einbilden. Kunst stellt Alles in Frage, stellt Fragen, die in der Gesellschaft so nicht gestellt werden können oder dürfen. Kunst ist auch hochgradig selbstkritisch und klopft sich nicht selbstzufrieden auf die Schulter. Kunst ist ein existenzielles Ringen um Etwas. Kunst bedeutet Risiko, das offene Meer.“

(Barbara Maas, Februar 2018)

Satanismus und Kunst

Albtraum Schlachthaus daphne stahl stop factory farms carnivore

Diese Arbeiten von mir zum Thema Massentierhaltung sind stark von meiner hoch geschätzten Kunstgeschichte Professorin beeinflusst.

Gelte ich jetzt auch als Satanist?

Fazit

Ich denke die bekennende Vegetarierin Marina Abramović möchte mit ihren Arbeiten, unter dem Begriff „spirit cooking„, auf den kaum zu bändigenden Appetit auf Fleisch in unserer Gesellschaft anspielen. Wer macht den Unterschied zwischen einem Hund, einem Schwein und einem Menschen? Ein geschlachtetes Lebewesen bleibt ein geschlachtetes Lebewesen. Es empfindet Schmerz und Leid, wenn es getötet wird, wie jedes Lebewesen das im Besitz eines zentralen Nervensystems ist. Woher nimmt sich der Mensch das Recht so mit Tieren umzugehen? Solle er sich doch gleich selbst verspeisen.

Ich finde die scheinheiligen Verschwörer, sowie alle anderen carnivoren Menschen sollten mal selbst auf ihren Speiseplan achten. Dann würde nicht nur dem Klimawandel angemessen entgegen gewirkt werden können, sondern sogar Seuchen wie aktuell SARS-CoV-2 künftig eingedämmt werden (Hierzu folgendes Video ansehen). Damit wäre der Umwelt und der Menschheit in Sachen Gesundheit und was die Nahrungsverteilung und Unterernährung in Entwicklungsländern angeht eher geholfen, als mit waghalsigen Gedankengespinsten der Verschwörungstheoretiker.

Titelbild: Marina Abramović. Photograph by Dusan Reljin for August 2014 issue of Vogue Ukraine.

Weiterlesen: Kunst, Machtmissbrauch und Verschwörungstheorien

Wenn dich die Debatte um Kunst, Provokation und Projektionen interessiert, habe ich dazu einen weiterführenden Text geschrieben.
Darin geht es um Macht, Missbrauch, Mythen und die Frage, wo Kritik aufhört und Erzählungen anfangen.

Hier weiterlesen Kunst, Machtmissbrauch und Verschwörungstheorien

2 Kommentare zu “Spirit Cooking – Marina Abramović – vom Performance Künstler zum Satanist

    • Vielleicht ist es sogar genau andersherum. Vielleicht funktionieren diese Arbeiten gerade deshalb so gut, weil sie Menschen anziehen, die sich in diesen Bildern wiedererkennen oder sich davon angesprochen fühlen. Nicht, weil die Kunst etwas „bekennt“, sondern weil sie etwas entlarvt.

      Ein Bankett mit Kuchen in Menschenform kann man als Provokation lesen, als Kritik an Entmenschlichung, an Konsum, an Machtfantasien – und eben auch an Fleischgenuss und Tierleid. An der Selbstverständlichkeit, mit der wir Leben zu Ware machen. Dass sich gerade die Falschen davon angezogen fühlen, macht das Werk nicht schuldig, sondern möglicherweise umso treffender.

      Subversive Kunst funktioniert manchmal genau so: Sie hält einen Spiegel hin. Und manche applaudieren, ohne zu merken, dass sie selbst darin zu sehen sind. Das ist kein Beweis für reale Verbrechen. Aber es ist ein ziemlich unangenehmer Spiegel.

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